Gedicht / Ballade “Nis Randers” von Otto Ernst, 1901

Nis Randers rettete bei schwerem Gewittersturm von einem gestrandeten Segelschiff einen Seemann

Das vor allem in Norddeutschland bekannte Gedicht schildert die dramatische Rettung eines Schiffbrüchigen. Die Rettungsaktion – die sich 1894 zugetragen hat – schildert Otto Ernst 1901 aus Sicht der am Strand Zurückgebliebenen. Die Gedicht wurde 1904 veröffentlicht und u.a. auch für den Schulgebrauch ausgewählt. Es wurde in zahlreiche Schullesebücher aufgenommen und von Generationen von Schülern auswendig gelernt. Noch heute gehört das Gedicht des öfteren zum Lehrplan des Deutschunterrichts. Nachfolgend der Text sowie eine Lesung der Ballade von Ulrich Tukur und der Song “Nis Randers” von Seenotretter-Bo(o)tschafter Achim Reichel auf YouTube.

Die Seenotretter* werden bald wieder unter dem Traditionsnamen NIS RANDERS auf der Ostsee im Einsatz sein. Der neue Seenotrettungskreuzer SK 42 wird nach dem Inbegriff des Seenotretters aus der gleichnamigen Ballade von Otto Ernst benannt – finanziert ausschließlich durch Spenden. *DGzRS, November 2020

Nis Randers

Von Otto Ernst, 1901

Krachen und Heulen und berstende Nacht,
Dunkel und Flammen in rasender Jagd –
Ein Schrei durch die Brandung!

Und brennt der Himmel, so sieht man’s gut:
Ein Wrack auf der Sandbank! Noch wiegt es die Flut;
Gleich holt sich’s der Abgrund.

Nis Randers lugt – und ohne Hast
Spricht er: „Da hängt noch ein Mann im Mast;
Wir müssen ihn holen.“

Da fasst ihn die Mutter: „Du steigst mir nicht ein:
Dich will ich behalten, du bliebst mir allein,
Ich will’s, deine Mutter!

Dein Vater ging unter und Momme, mein Sohn;
Drei Jahre verschollen ist Uwe schon,
Mein Uwe, mein Uwe!“

Nis tritt auf die Brücke. Die Mutter ihm nach!
Er weist nach dem Wrack und spricht gemach:
„Und seine Mutter?“

 

Nun springt er ins Boot und mit ihm noch sechs:
Hohes, hartes Friesengewächs;
Schon sausen die Ruder.

Boot oben, Boot unten, ein Höllentanz!
Nun muss es zerschmettern …! Nein, es blieb ganz! …
Wie lange? Wie lange?

Mit feurigen Geißeln peitscht das Meer
Die menschenfressenden Rosse daher;
Sie schnauben und schäumen.

Wie hechelnde Hast sie zusammen zwingt!
Eins auf den Nacken des andern springt
Mit stampfenden Hufen!

Drei Wetter zusammen! Nun brennt die Welt!
Was da? – Ein Boot, das landwärts hält –
Sie sind es! Sie kommen! – –

Und Auge und Ohr ins Dunkel gespannt …
Still – ruft da nicht einer? – Er schreit’s durch die Hand:
„Sagt Mutter, ’s ist Uwe!“

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